Wie man „Fake-Naturkosmetik“ durchschaut.

Heute möchte ich ein wenig Klarheit zum Thema Naturkosmetik schaffen. Viele die das jetzt lesen wissen wahrscheinlich schon das Meiste, ich wurde zur Zeit aber oft angesprochen woran man denn echte Naturkosmetik erkennen kann und wann man sieht, dass eine Firma nur Greenwashing (also natürliche Inhaltsstoffe bewerben obwohl noch sehr viel nicht natürliches im Produkt steckt) betreibt.
Als ich vor einigen Monaten begann mich mit den Inhaltsstoffen von Kosmetik auseinanderzusetzen schaute ich mir die Produkte in meinem Bad mal genauer an und durchsuchte sie zum Beispiel nach Parabenen, Inhaltsstoffen, die bei zu hoher Dosierung hormonverändernd auf den Körper wirken können. 
Und was viel mir da auf? Produkte von The Body Shop zum Beispiel enthielten beträchtliche Mengen unterschiedlicher Parabene. Und so ging das von Produkt zu Produkt. Bald erkannte ich, dass bekannte Marken wie Yves Rocher und The Body Shop, die ich eigentlich immer für grün und natürlich hielt genauso viel Chemie enthielten wie herkömmliche Kosmetika.
Und da stand ich plötzlich vor einem Problem denn das bedeutet ja, dass ich jedes einzelne Produkt auf die Inhaltsstoffe überprüfen muss um die „Natürlichkeit“ bewerten zu können.
Doch nach weiterer Recherche stieß ich dann auf einige Siegel die nur natürliche Inhaltsstoffe zulassen und nach denen ich mich jetzt beim Kauf auch orientiere. Diese möchte ich euch heute vorstellen!

Die berühmtesten Siegel:

EcoCert

EcoCert teilt seine Labels in zwei Kategorien:
Bei EcoCert Naturkosmetik müssen mindestens 50% der Inhaltsstoffe in der Rezeptur sowie mindestens 5 % der Inhaltsstoffe nach Gewichtsanteil aus ökologischem Anbau gewonnen werden.
Bei EcoCert Biokosmetik sind es sogar 95% der Inhaltsstoffe in der Rezeptur und 10 % der Inhaltsstoffe nach Gewichtsanteil.
Die Logos findet ihr auf http://www.ecocert.de/natur-biokosmetik .
Die genaueren Bedingungen könnt ihr hier (leider englisch) nachlesen.
Kurz gesagt dürfen auch keine chemischen Duftstoffe, Silikone, Farbstoffe und tierische Inhaltsstoffe (mit Ausnahme von Honig oder Milch sowie gentechnisch veränderte Organismen) enthalten sein. Interessant finde ich auch, dass die Verpackung vollständig biologisch abbaubar sein muss.
Die Dauer des Zertifikats beträgt 1 Jahr, womit auch eine regelmäßige Kontrolle gewährleistet wird.
 
BDIH
 
Dieser Ausdruck steht für Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V. und wurde 1951 gegründet.
Um das BDIH Siegel zu erhalten muss ein Produkt mehrere Kriterien erfüllen. Genau nachlesen könnt ihr das hier.
Zusammenfassend sind die Produkte dann frei von synthetischen Farb- und Duftstoffen, Silikonen und Erdölprodukten. Außerdem dürfen nur bestimmte naturidentische Konservierungsmittel verwendet werden. Auch die Herstellungsprozesse sind eingeschränkt.
Ist das Wort „Bio“ im Namen enthalten, so muss der Bioanteil (ausgenommen Wasser und Mineralien) bei mindestens 95 Prozent liegen.
Ich finde dieses Siegel ist ein erster Schritt um zumindest schädliche Stoffe aus vermeintlicher Naturkosmetik auszuschließen und nur natürliche Substanzen zuzulassen. Für 15 Stoffe ist außerdem ein kontrolliert biologischer Anbau vorgeschrieben.
  
 
NaTrue
 

 

Dieses Siegel wurde von führenden Naturkosmetik-Herstellern wie Weleda, Dr. Hauschka und Logocos gegründet.
Um für ein Produkt überhaupt das NaTrue Siegel zu erhalten muss mindestens 75 % der Produktlinie zertifizierte Naturkosmetik sein. Außerdem ist eine solche Zertifizierung nur 2 Jahre gültig.
Die genauen Kriterien kann man hier nachlesen.
Kurz zusammengefasst dürfen nur Naturstoffe verwendet werden, die Duftstoffe dürfen nur aus ätherischen Ölen bestehen, nur naturidentische Konservierungsstoffe sind erlaubt (dann steht auf dem Produkt „konserviert mit…“) und auch die Verfahren sind eingeschränkt.
Früher konnte man neben dem Logo einen, zwei oder drei Sterne sehen. Dies bedeutete:
1 Stern – Naturkosmetik
2 Sterne – Naturkosmetik mit Bio-Anteil (min. 70 % Bio-Qualität)
3 Sterne – Bio-Kosmetik (min. 95 % Bio-Qualität)
Diese Kategorisierung gibt es immer noch, man kann sie jedoch leider nicht mehr auf dem Produkt selbst erkennen, sondern muss sie im Internet nachsehen.
Demeter

Demeter hat unglaublich strenge Kriterien. Sowohl die Erzeugung als auch die Verarbeitung sind strengstens kontrolliert. Ein Produkt dass diese Auszeichnung erhält besteht auch mindestens aus 90 % Demeter-Rohstoffen.
Bis jetzt ist leider nur sehr wenig Naturkosmetik von Demeter zertifiziert worden. (u.a. Martina Gebhardt.
Genau nachlesen könnt ihr das unter http://www.demeter.de/verbraucher/ueber-uns/richtlinien.
Dies sind die Siegel denen ich vertraue, denn auch bei Siegeln gibt es wieder welche, die den Verbraucher täuschen sollen und eigentlich nichts aussagen. Und bald fällt einem auf, dass auch günstige Naturkosmetik teilweise genau wie teure mit wichtigen Siegeln zertifiziert ist. Wie ihr sehen könnt haben auch alle Produkte auf meinem Titelbild einige von diesen Siegeln. Und da sind teurere Produkte wie von Logona, aber auch billigere Produkte wie von Alverde vertreten.

  

Also vertraut nicht Firmen wie Yves Rocher oder The Body Shop die wirklich viel Geld damit machen, Verbraucher an der Nase herumzuführen. Um ehrlich zu sein macht mich das auch immer wieder wütend, so sehe ich doch immer wieder Menschen dort einkaufen und denken sie täten sich etwas gutes da sie scheinbar chemiefreie Kosmetik kaufen.
Und durch die Labels braucht man fortan auch nicht mehr lange um die Inhaltsstoffe zu studieren, sondern kann beim nächsten Einkauf auch einfach mal nach den kleinen Symbolen Ausschau halten. Denn jeder kann ein „Naturkosmetik“ an seinen Produktnamen hängen, da gibt es in Deutschland keine Richtlinien.
Natürlich heißt das nicht, dass jede nicht zertifizierte Naturkosmetik gleich schlecht ist, nur als Verbraucher ohne viel Zeit sich die Inhaltsstoffe anzuschauen hat man meiner Meinung nach keine andere Chance sich sicher zu sein, keine „Fake-Naturkosmetik“ zu erwischen. Mittlerweile bin ich durch einige Recherche etwas informiert, sodass ich auch an den Inhaltsstoffen ungefähr erkennen kann ob es sich um Naturkosmetik handelt und ob der Preis wegen teurer Inhaltsstoffe (wie Rosenöl) zustande kommt.
Worauf vertraut ihr beim Kauf von Naturkosmetik? Wusstet ihr bereits, dass es viele Marken gibt die nur „natürliche“ Produkte vortäuschen?



14 thoughts on “Wie man „Fake-Naturkosmetik“ durchschaut.”

  • Die Siegel sind ein guter erster Anhaltspunkt, wenn man sich noch nicht so viel mit Inhaltsstoffen auseinander gesetzt hat. Sie dienen auch mir immer noch als Orientierung, ob ich mich auch schon eine Weile mit der NK- Thematik beschäftige ;)

    Das Greenwashing finde ich übrigens ganz schlimm. Auf der einen Seite natürlich von den Unternehmen, aber auf der anderen Seite auch von den Verbrauchern, die sich so leicht für dumm verkaufen lassen oder denen es egal ist…

    Liebe Grüße,
    KleinesGehopse

    • Ich finde auch, dass sie auf jeden Fall eine Orientierung sind! Besonders wenn ich neue NK-Marken entdecke.
      Es stimmt, die Verbraucher sind oft auch sehr naiv, aber ich muss sagen ganz besonders als Jugendlicher macht man sich da auch oft nicht so viele Gedanken und denkt das wird schon relativ natürliche Inhaltsstoffe haben. Ich selbst habe leider viel zu lange so gedacht.
      Ganz besonders wenn oft von großen Kosmetikfirmen Statements kommen, die die chemischen Inhaltsstoffe rechtfertigen und Naturkosmetik als „übertrieben“ darstellen ist die Qualität der Produkte für einen normalen Verbraucher meiner Meinung nach schwer zu durchschauen.
      Aber ich bin froh dass ich jetzt so viel mehr weiß (wenn auch immernoch etwas zu wenig!). :)

      Liebe Grüße
      Julia

  • Danke für den tollen und ausführlichen Bericht! Erst vor ein paar Tagen habe ich auf einem Blog einen Bericht zu einer Yves Rocher-Creme gelesen, die Autorin behauptete absolut überzeugt, das sei reine Naturkosmetik… Ich fand das gruselig. Ich selbst stelle gerade erst nach und nach auf Naturkosmetik um, bei mir liegen auch Produkte von Yves Rocher und vom Bodyshop. Da war mir aber schon beim Kauf bewusst, dass das nichts mit NK zu tun hat. Viele Menschen wissen das aber nicht und dass die dann so reingelegt werden von den Firmen, finde ich wirklich übel.

    • Das finde ich auch sehr verwirrend, dass sie das als reine Naturkosmetik darstellt!
      Den Firmen wird das an der Nase herumführen von Kunden meiner Meinung nach auch viel zu einfach gemacht.
      Was heutzutage alles auf Produkten steht oder man auf Werbeplakaten sieht ist doch nicht mehr normal! Gottseidank wissen das oft die Meisten, dass die Haut von Natur aus eben nicht Makellos ist.
      In anderen Ländern ist so etwas ja auch verboten, neulich habe ich gesehen dass eine Werbung mit Julia Roberts verboten wurde, weil sie zu unnatürlich retuschiert wurde. Ich denke bei so einem Plakat kann man sich aber noch eher die Wahrheit denken als bei Kosmetik.

      Liebe Grüße
      Julia

  • Vielen Dank für diesen Post! Genau solche Infos braucht man am Anfang und auch später ist es gut, wenn man sich die Siegel und was dahinter steht wieder einmal vergegenwärtigt.

    Ich achte sowohl auf Siegel, als auch auf die Inhaltsstoffe. Oftmals informiere ich mich vor dem Kauf im Netz über das Produkt und gehe dann bewusst in den Laden und kaufe das. Bei Spontankäufen wurde ich schon das eine oder andere mal enttäuscht resp. ich hatte in der Hektik einfach zu wenig Zeit um alles genau durchzulesen. Da ich meine Kosmetik ausschliesslich in Deutschland kaufe, kann ich in der Zeit auch nicht auf die Codecheck App zugreifen (Roaming lässt grüssen) und ich kenne nicht alle Inhaltsstoffe auswendig.

    • Danke für das Lob!
      Ich finde das für den Anfang auch sehr wichtig, denn als ich in meinem Freundeskreis von meinem Umstieg auf NK erzählte und klarstellte, dass ich damit nicht The Body Shop und co. meine, kam so oft die Frage auf, woran man denn dann überhaupt erkennen könne ob es sich um „echte“ Naturkosmetik handelt.
      Um ehrlich zu sein informiere ich mich grundsätzlich auch immer im Internet vor einem Kauf, die vielen Fehlkäufe waren auch ein wenig ein Grund für diesen Blog :D.
      Und die Codecheck App finde ich leider nicht ganz ausreichend für mich persönlich. :S

      Liebe Grüße
      Julia

    • Ja genau, das mit dem Greenwashing muss man immer zuerst erklären. Die Reaktionen darauf fallen sehr unterschiedlich aus (von Entsetzen bis Verleugnen ist so ziemlich alles dabei).
      Was fehlt Dir bei Codecheck? Bzw. wo informierst Du Dich sonst noch und worauf achtest Du?

    • Ich finde Codecheck von der Idee her sehr sehr gut, ich finde leider die Kategorisierung mit „empfehlenswert“ usw. etwas ungenau. Die Funktion Alternativen ohne bestimmte Inhaltsstoffe aufzulisten ist richtig gut! Da kann aber auch der ein oder andere Fehler passieren, denn soweit ich weiß werden z.B. die Inhaltsstoffe von Mitgliedern angegeben und da ist es wohl auch schon das ein oder andere Mal vorgekommen, dass etwas vergessen wurde. Leider vertraue ich der Seite deshalb nicht mehr 100 Prozentig aber ich finde sie ist ein guter Anhaltspunkt.
      Hauptsächlich informiere ich mich im Internet über die einzelnen Inhaltsstoffe, was ja auch Grundlage meiner Reviews ist. Da gibt es auch immer mal wieder Listen mit schlechten Inhaltsstoffen die man vermeiden sollte, doch auch da ist es immer schwierig, denn manche Stoffe sind schlecht wenn sie chemisch hergestellt werden, jedoch unbedenklich wenn sie z.B. Bestandteil eines ätherischen Öls sind.
      Deshalb orientiere auch ich mich hauptsächlich an den Siegeln, wenn mich ein Produkt sehr interessiert oder eine sehr kleine INCI-Liste hat, dann schaue ich auf die Inhaltsstoffe und recherchiere die, die ich noch nicht kenne (was von Review zu Review glücklicherweise weniger wird :D). Es gibt auch eine ganz gute Seite, die glaube ich Kosmetik-Check heißt.
      Die habe ich zu Beginn benutzt um kurz darüberzuschauen wie „schlecht“ meine konventionelle Kosmetik ist. Da kann man die ersten Ziffern der INCI-Bezeichnung eingeben und man erhält in form von Smileys eine Bewertung des Stoffes. (Ähnlich wie bei Codecheck.)
      Leider vertraue auch ich bis jetzt eigentlich nur eigenen Recherchen (die je nach Menge der Inhaltsstoffe relativ zeitintensiv sind) oder den Siegeln. :)

      Liebe Grüße
      Julia :D

  • Ich kann mich den anderen nur anschließen! :) Die genannten Siegel kannte ich bisher alle schon. Da ich meine Kosmetik nur im Bioladen und via Internet kaufe, fällt es mir noch etwas leichter auf die Siegel und Inhaltsstoffe zu achten. Im Bioladen kann man sich fast immer auf die gute Qualität verlassen und im Internet kann man schneller nachschlagen, wenn man etwas nicht versteht.

    Lieber Gruß

  • Ich steht ja total auf Arganöl für meine Haare.
    Es gibt einige Produkte, welche dies entweder in reiner Form oder gemischt enthalten.

    Mir ist da reines Arganöl lieber (ohne schädliche Zusatzstoffe oder gar Silikone), welches im Kaltpressverfahren gewonnen wurde, damit die meisten Vitamine noch enthalten sind. Diese pflegen & nähren ja auch Haar und Kopfhaut mit den Haarwurzeln und fördern auch das gesunde Haarwachstum.

    Und mir ist da ein echtes Naturprodukt auf jeden Fall lieber, als alle Mischung, wo man sich erst ewig mit der Liste der Inhaltsstoffe beschäftigen muss.

    viele Grüße
    Sandra

  • I like only natural products for my skin and hair. I discovered pure coconut oil for myself and that is good for both. For indoor use, I regularly add minerals from Schüssler salts. This works well. greetings Sophie

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