DIY – Ghee

Hallöchen! :)

Gerade jetzt im Winter habe ich weniger Motivation das Haus zu verlassen und im kalten Nass spazieren zu gehen. Bei Schnee noch etwas eher, als bei Regen. Die Tage werden kürzer und durch das fehlende Licht möchte ich mich allgemein lieber mit einem Buch unter die Decke kuscheln als produktiv zu sein.

Da hilft nur hin und wieder meine Tageslichtlampe anzuwerfen und Dinge zu tun, die ich mir schon lange vorgenommen, aber nie getan habe. DIY-Ideen, die irgendwo auf meinen Pinterest-Pinnwänden versauern und nur darauf warten ausprobiert zu werden! Denn dazu kann ich mich dann doch meistens Aufraffen und das Gefühl etwas zu „erschaffen“ weckt in mir persönlich wieder ganz neue Lebensgeister und Lust auf mehr.

Deshalb gibt es von mir heute eine kleine Anleitung zur Ghee-Herstellung. Vielleicht hast du Ghee ja schon einmal im DM entdeckt, dort und in vielen Bioläden kann man die aus der Ayurveda, einer indischen Heilkunst, stammende Zutat mittlerweile kaufen.

Doch was ist Ghee eigentlich? Im Prinzip ist es eine abgewandelte Form von Butterschmalz. Durch das Erhitzen werden die festen Milchbestandteile vom Fett separiert und dann abgeschöpft. Das ebenso enthaltene Wasser verkocht. Letztlich bleibt fast ausschließlich (zu knapp 99,5 Prozent, je nach dem wie sorgfältig gearbeitet wurde) Fett übrig. Zum Vergleich: Butter hingegen enthält etwa 80% Fett. Somit sind Ghee und Butterschmalz quasi komplett laktosefrei.

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Wo liegt der Unterschied zwischen Butterschmalz und Ghee?

Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Den einzigen Unterschied, den ich finden konnte, ist dass bei der Herstellung von Butterschmalz nur die festen Milchbestandteile abgeschöpft werden, die Farbe jedoch bleibt hell und gelblich. Die Flüssigkeit wird also nur klar, jedoch nicht dunkel. Die kleinen absinkenden Partikel sollten hellbraun bleiben. Beim Ghee hingegen ist meistens eine goldbraune Farbe optimal. Die sich absetzenden Teilchen können ruhig dunkel werden und geben dem Fett einen charakteristischen Geschmack, der deutlich weniger neutral ist als beim gewöhnlichen Butterschmalz. Stellt man Ghee nach ayurvedischer Tradition her, so beginnt man mit Milch, verwandelt diese in Joghurt und schließlich in Butter aus der man das Ghee herstellt. Je nach indischem Haushalt schmeckt das Produkt dann unterschiedlich, manchmal fast identisch zu Butterschmalz, manchmal sehr intensiv nussig und nach Karamell.

Kann man das nicht einfach im Supermarkt kaufen, wieso ist Ghee oft teurer als Butterschmalz?

Ja, man könnte es kaufen, selbst gemachtes Ghee schmeckt aber vielen besser.  Ein weiterer Vorteil ist, dass man selbst die Grundlage, also die Qualität der Butter bestimmen kann. Kauft man Bio-Butter, so hat man Bio-Ghee, kauft man Butter aus artgerechter Haltung, so hat man auch eine dementsprechende Ghee-Qualität. Der im Supermarkt gekaufte Butterschmalz wird anders hergestellt als es die Tradition überliefert. Denn manchmal wird bei der Herstellung von Ghee oder Butterschmalz gleich eine Creme-Substanz von der Milch getrennt und zum fertigen Produkt weiterverarbeitet ohne die einzelnen „Schritte“ zu durchlaufen1http://web.archive.org/web/20121101152256/2http://www.dairyforall.com/indian-ghee-manufacture.php. Die EU subventioniert außerdem Butterschmalz, als Voraussetzung muss aber Stigmasterin zum Produkt hinzugefügt werden, damit Subventionsbetrug besser erkennbar ist. Ich habe aber auch Unternehmen gefunden, die damit werben keine Subventionen einzustreichen und deshalb auch frei von Stigmasterin zu sein, z.B. hier. Bei den günstigen Produkten im Supermarkt kann aber davon ausgegangen werden, dass der Stoff enthalten ist. Zudem wird industriell hergestellter Butterschmalz meist mit Luft aufgeschlagen. Das teurere Ghee z.B. von Alnatura hat deshalb einen höheren Preis: Es wird nicht subventioniert und nach traditionellem ayurvedischen Verfahren hergestellt.3http://www.alnatura.de/Alnatura%20Produkte/Produktsuche/Bio-Ghee-Butterfett-180g Preislich ist es günstiger, wenn man gleich große Mengen macht, denn man darf den Stromverbrauch der Kochplatte in der Kostenrechnung nicht vergessen. Ghee hält sich mehrere Monate im Kühlschrank, da es kaum Wasser enthält.  Ich denke das sind einige Gründe um Ghee selbst zu machen ;). Zudem macht es sehr viel Spaß und die Wohnung duftet anschließend ganz wunderbar danach.

Ist Ghee gesund? Jein. Laut ayurvedischer Tradition ist Ghee viel bekömmlicher als Butter und soll die Venen weniger verstopfen. Im Grunde ist es jedoch pures Fett und sollte (wie alle anderen Fette auch) in Maßen genossen werden. Außerdem enthält es zu knapp 63% gesättigte und nur zu ~28 Prozent ungesättigte Fettsäuren. 4http://www.ernaehrung.de/lebensmittel/de/Q683000/Butterschmalz.php

Wieso finde ich ein Ghee-Rezept auf einem Beauty-Blog?

Ganz einfach, Ghee schmeckt nicht nur fantastisch, es wird in der Ayurveda schon lange für die Hautpflege verwendet. Es gibt Studien, bei der die Einnahme von Ghee sogar zu einem besseren Hautbild und weniger juckenden Stellen verholfen hat.5http://www.ayujournal.org/article.asp?issn=0974-8520;year=2010;volume=31;issue=2;spage=134;epage=140;aulast=Sharma Es hilft auch äußerlich bei der Wundheilung und gegen trockene Haut. Gerade im Winter schätze ich es als Lippenpflege! Das Unternehmen Ghee-Sana stellt zum Beispiel gezielt Kosmetik mit Ghee her, da die Produkte sanft zur Haut und zu den Schleimhäuten sind.

So, genug Theorie, in der Praxis ist Ghee leicht und schnell zubereitet, schmeckt herrlich und ist super als Wundsalbe oder fettige Pflege!

Wie macht man Ghee?

Du brauchst dafür 30-40 Minuten deiner Zeit, die gewünschte Menge an Butter, die du in Ghee verwandeln willst (ich habe für den Anfang 2 Blöcke Bio-Butter verwendet, werde aber jetzt aus Energiespar-Gründen immer mehr verwenden) einen Topf, einen Teefilter (oder etwas anderes zum Durchseihen), ein Sieb, eine kleine Schüssel und Gefäße. Ich verwende zudem noch ein Glas.

gheeselbstmachenbutter

Wenn man möchte, kann man zu Beginn traditionell die Butter zerkleinern und Waschen. Ich habe diesen Schritt ausgelassen. Anschließend gibt man sie bei mittlerer Hitze in den Topf.

butterschmelzenghee2

Die Butter beginnt langsam zu schmelzen, damit das schneller geht, kann man die Stückchen im Topf zerkleinern und umrühren.

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Während sich die Butter auflöst und langsam beginnt vor sich hin zu köcheln, kocht man etwas Wasser und gießt dieses anschließend in die Gefäße, in die das Ghee am Ende kommt. Dadurch werden Bakterien getötet und das Ghee ist länger haltbar.

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Nach 3 Minuten kann das Wasser dann wieder abgegossen werden (vorsicht, am Besten mit Topflappen, das Gefäß ist heiß ;) ) und die Gläser trocknen.


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Nun sollte die Butter langsam zu kochen beginnen. Während des Vorgangs muss (und sollte man auch) nicht zu viel herumrühren. Möchte man Butterschmalz herstellen, dann ist Rühren erlaubt.

Jetzt steigen die Milchbestandteile nach oben und bilden an der Oberfläche einen dicken Schaum. Dieser wird vorsichtig mit dem Löffel in eine kleine Schüssel abgeschöpft.

Je länger die Butter kocht und je mehr man abschöpft, desto feiner wird der Schaum.

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Irgendwann ist er so fein, dass er sich nicht mehr abschöpfen lässt, jetzt wartet man, bis das Ghee die gewünschte Farbe hat. Es sollte mindestens ganz klar sein, dann ist das Wasser verkocht und die Milchbestandteile abgeschöpft. Je nach gewünschtem Aroma lässt man es mehr oder weniger dunkel werden. Optimal ist traditionell eine goldbraune bis bernsteinfarbene Flüssigkeit. Am Boden setzen sich kleine Körnchen ab, möchte man nussiges Ghee erhalten, so kann man diese ruhig dunkel werden lassen.

Hat die Butter diese Farbe erreicht, so legt man auf das zu befüllende Gefäß ein Sieb und darauf den Teefilter. Anschließend gießt man einen Teil der Flüssigkeit darauf. Damit weniger Sauerei entsteht, habe ich die Butter erst aus dem Topf in ein Glas gefüllt und dann vorsichtig in das Sieb gegossen.

Wie du siehst war mein Ghee am Anfang noch sehr hell, ich habe es aber nachdem ich das erste Glas durch das Sieb gegossen habe noch etwas auf dem Herd gelassen, woraufhin es immer dunkler wurde und letzendlich die perfekte Farbe angenommen hat.

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Das Durchsieben ist wohl der aufwändigste Teil, aber trotzdem in wenigen Minuten machbar. Wenn man merkt, dass die Flüssigkeit nicht mehr ganz so leicht durchfließt, sollte man den Filter wechseln.

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Heraus kommt eine wunderschöne goldene Flüssigkeit: Unser Ghee!

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 Ich finde das Endprodukt wunderschön, wenn du wüsstest wie gut das duftet! :D

GheefertiggeklärteButterselbstgemacht

Beim Kochen verschwinden bis zu 20 Prozent der Butter, deshalb ist am Ende ein klein bisschen weniger übrig als man Butter hatte.

Meine zwei Stückchen haben ein leeres Apfelmark-Glas ganz, sowie ein kleineres Glas etwa zu einem Drittel gefüllt. Das volle verwende ich in der Küche, das leicht gefüllte als Kosmetikprodukt (z.B. für meine Lippen).


Gheeselbstgemacht

Zum Schluss lässt man das Ghee abkühlen und bewahrt es möglichst im Kühlschrank auf, damit es noch länger hält.

Abgehkühlt sieht es dann ganz typisch nach Butterschmalz aus :).

Gheefest

 Manchmal wird das Ghee dann außerdem noch Gewaschen, was aber ein eher meditativer Prozess ist: Hier findest du mehr darüber.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Kanntest du Ghee?

Würdest du dieses DIY-Rezept einmal ausprobieren oder es lieber im Laden kaufen?

Was machst du am liebsten im Winter?

Liebe Grüße,

schriftzugemail

Nachweise   [ + ]

1. http://web.archive.org/web/20121101152256/
2. http://www.dairyforall.com/indian-ghee-manufacture.php
3. http://www.alnatura.de/Alnatura%20Produkte/Produktsuche/Bio-Ghee-Butterfett-180g
4. http://www.ernaehrung.de/lebensmittel/de/Q683000/Butterschmalz.php
5. http://www.ayujournal.org/article.asp?issn=0974-8520;year=2010;volume=31;issue=2;spage=134;epage=140;aulast=Sharma


8 thoughts on “DIY – Ghee”

  • Sehr spannend! vor allem die hintergrundinfos. ich werde wohl mal mit alnatura testen. diy und vor allem multi-use-sachen finde ich aber generell toll!
    was machst du mit dem abgeschöpften schaum?
    :)

    • Dankeschön! :) Also eigentlich verwendet man es nicht weiter, da es ja der Teil ist, den man nicht essen möchte, es ist aber schade es wegzuwerfen, ich habe gelesen, dass sich die wenigen Löffel Schaum gut in selbstgemachtem Eis, Kuchen oder Brot machen :)

  • Einer toller Blogpost! Und mit den kleinen Videos hast du dir auch echt Mühe gegeben (: ! Ich kannte Ghee bereits, muss aber sagen, dass ich den Geruch sehr gewöhnungsbedürftig fand. Nach deinem Rezept bestehend nur aus Butter kann der Geruch aber wirklich nur köstlich sein (wer weiß was ich da für ein Ghee hatte ^^). Ich werde das Rezept mal im Hinterkopf behalten, denn gerade als Lippen-/Hautpflege scheint es ja super geeignet zu sein (: …Liebe Grüße.
    Projekt Schminkumstellung kürzlich veröffentlicht…Aufgebraucht Nr. 5My Profile

    • Vielen Dank! :) Ich muss zugeben, das Gif-Animationen basteln hat Spaß gemacht und hat den Vorteil, dass es nicht über Youtube geladen werden muss :). Es gibt wirklich unterschiedliche Sorten, mit ganz unterschiedlichen Geschmackssorten :). 

  • Großartiger Post!
    Durch Ghee Sana habe ich das überhaupt erst kennengelernt, das Gesichtsbalsam verwende ich ja schon, wobei das noch eine Menge weiterer Öle enthält. So reines Ghee hätte seinen Reiz :-) zum Essen wäre es mir jedoch wohl wirklich zu fett.
    LG
    beautyjungle kürzlich veröffentlicht…7 Fakten und 5 ProdukteMy Profile

  • Hey ganz toller Post, nur leider eine kleine Anmerkung: Ghee sollte unter keinsten Umständen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dadurch kann sich Kondenswasser bilden und das Ghee ranzig werden. Am besten in einen Lichtundurchlässigen Gefäß bei Zimmertemperatur lagern. In Indien gibt es, für medizinische Zwecke, Ghee´s die bis zu 100 Jahre eingelagert werden. Ghee kann somit gar nicht „schlecht“ werden, es kann nur was passieren wenn es „verunreinigt“ wird. ;) 
    LG Yasmin 

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